
Von Svenja Steinseifer
Peine-Vöhrum. Wenn eine neugierige Verkäuferin, ein Amtsdiener, der dem
Lügenbaron in nichts nachsteht und ein Ortsbürgermeister mit einem „gewaltigen
Dachschaden“ sich in ihren eigenen Intrigen verstricken, ist amüsantes Chaos
programmiert. Mit der Premiere des Theaterstückes „Die Gedächtnislücke“ von
Bernd Gombold startet die HUKL-Bühne Vöhrum einen massiven Angriff auf die
Lachmuskeln.
„Ich habe gerade zufällig aus meinem Fenster geschaut und gesehen, dass die
Silbersteins schon wieder da waren. Da wollte ich mal fragen...“ Verkäuferin
Emma muss immer ganz genau wissen, was hinter den verschlossenen Türen des
Bürgermeisterbüros passiert. Dass die versnobten Silbersteins sich wegen der
läutenden Glocken, dem krähenden Hahn und der Musikkapelle aufregen zum
Beispiel. Neugierig sei sie ja nicht, aber wenn die Kundschaft fragt, stehe sie
ja unwissend ganz schön blöd da.
Was Emma nicht weiß: Mit ihren Fragen gerät die Ladenbesitzerin an den
Lügenbaron höchstpersönlich in Gestalt des Amtsdieners Sepp Schäufele, der ihr
gegen Schnaps verdrehte Wahrheiten auftischt. Durst macht schließlich
erfinderisch. Hoch und heilig verspricht Emma, niemandem auch nur ein
Sterbenswörtchen zu erzählen. Noch im selbem Atemzug greift sie zum Telefon,
damit Freundin Lotte die Neuigkeiten im ganzen Ort verbreiten kann. Auch der
unzufriedene Vereinsvorsitzende Anton Huber, das geräuschempfindliche Ehepaar
Silberstein und die liebeshungrige Rosalinde Schneckenberger sowie der verwirrte
Psychiater Professor Schnippenstein tun ihr Bestes, um das allgemeine Chaos noch
zu vergrößern.
Der plötzliche Unfall des Bürgermeisters Kübele, der ihm die Erinnerung an die
letzten fünf Jahre raubt, macht die Verwirrung perfekt. Denn nun wendet er sich
ganz gegen seine einstige Überzeugung und findet Krähen, Glockenläuten und
Blasmusik auf einmal völlig normal. Das Dorf versteht die Welt nicht mehr.
„Mit ‚Die Gedächtnislücke‘ trifft Autor Bernd Gombold einen lebensnahen Humor,
der total unser Ding ist“, sagt Christa Schikora von der HUKL-Bühne. Auch die 88
888. Besucherin Hannelore Janke ist begeistert. „Das Stück ist einfach super“,
sagt sie glücklich. Mit dem Gewinn, lebenslang freier Eintritt für die
HUKL-Bühne, hätte sie nicht gerechnet.
„Auch den Vergleich Mann/Baugrundstück habe ich noch nie gehört. Spitze.“ So
sitzt Bürgermeister Kübele der heiratswilligen Rosalinde Schneckenberger
gegenüber, um ihr ein Baugrundstück zu verkaufen. Sie jedoch sucht die Liebe
ihres Lebens. „Da gehen wir doch gleich mal an das Eingemachte“, lamentiert der
Bürgermeister, „wie groß darf er denn sein? Wollen sie ihn für sich allein und
wie soll es drum herum aussehen? Bewachsen?“ Diese aus dem Alltag gegriffenen
Missverständnisse sind es, die die 220 Zuhörer im Dorfgemeinschaftshaus zum
Brüllen bringen.
Und so fällt das Fazit rundherum positiv aus. „Es gibt immer was zu lachen“,
freut sich Schikora. „Die Premiere ist ein toller Erfolg.“